Ich habe mich der Trainingsgruppe angeschlossen und wir sind zu sechst aufgebrochen. Die Jungs trainieren alle für den "Ride to Conquer Cancer", der im Juni stattfindet und von Vancouver nach Seattle führt. So weit sind wir heute Gott sei Dank nicht gefahren!
Von der Innenstadt geht es also los. Durch Kitsilano und West Point Grey in Richtung UBC. Schon nach den ersten 10 km brennen mir die Schenkel. Das ewige bergauf lässt meine Herzfrequenz steigen und ich bin leicht kurzatmig. Vom Westzipfel Kitsilanos geht es direkt und ohne Pause weiter gen Süden entlang des Marine Drive. Die Strecke ist größtenteils ohne Steigungen und somit ein wenig erträglicher. Zeit, um richtig durchzuatmen und etwas zu trinken. Die Schenkel brennen allerdings immer noch. Hinzu kommt jetzt, dass mir langsam der Hintern weh tut. Auf Mädchen wird allerdings keine Rücksicht genommen und die von mir langersehnte 5-Minuten-Pause wird mir erst beim Vancouver Airport gegönnt. Ächz! Runter vom Rad, schnell einen Bissen essen, viel trinken und vor allem dehnen! Nach nur 5 Minuten geht es auch schon weiter durch Richmond hindurch und auf der No.1 Road bis nach Steveston. Ich hatte mich eigentlich an dieser Stelle auf eine längere Pause eingerichtet- so mit Käffchen und Fish and Chips oder so. Fehlanzeige! Wir sind ja hier nicht auf einem Fahrradausflug! Also wieder nur 5 Minuten. Keine Zeit also, die Aussicht und das Flair von Steveston zu genießen. Stattdessen dehnen, einen Bissen vom Müsliriegel runterwürgen und den anderen auf den Rückweg folgen.
Wer hat eigentlich behauptet, dass die Tour Vergnügen bereiten sollte???
Der Rückweg führt uns nun über die No. 2 Road wieder gen Norden. Durch Richmond hindurch und wieder über die Arthur Laing Brücke. Von Süden kommend ist die Brücke echt brutal. Im kleinsten Gang quäle ich mich schnaufend auf die andere Seite. Die brennenden Schenkel und der schmerzende Hintern bekommen Gesellschaft von Schulterschmerzen und Sonnenbrand. Aber wir sind ja "schon" auf dem Rückweg. Der Gedanke an ein kaltes Eis, ein Bier oder auch nur einen Kaffee motiviert mich.
Das mieseste Stück Tour lag aber noch vor uns. Ich wurde zwar vorher gewarnt, aber alles wurde irgendwie schön geredet und klang halb so wild.
Der Anstieg auf Ontario Street ist so ziemlich das schlimmste Stück der Strecke. Über mehrere Kilometer geht es bergan. Dem kleinsten Gang sei Dank muss ich nicht absteigen. Sich mit 5 km/h den Berg hochzuquälen und dabei die Atmung unter Kontrolle zu bekommen und sämtliche Schmerzen zu ignorieren ist eine echte Herausforderung. Zu diesem Zeitpunkt haben wir auch schon 50 km hinter uns (und ich war ja schon auf der Hinfahrt fertig). Aber Aufgeben gilt nicht und so wird munter weiter gestrampelt, so gut es eben geht.
Nach 2 Stunden und 41 Minuten (reine Fahrtzeit) und 59 km sind wir dann endlich im Ziel, d.h., wieder an der eigenen Haustür. Mit zitternden Beinen steige ich vom Rad- und bin einfach nur froh, dass ich durchgehalten habe.
Eine heiße Dusche und eine Mahlzeit später lassen wir auf der Couch diese Tour noch einmal Revue passieren und haben die Route für euch auf einer Karte eingezeichnet.
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